So wird gezählt

bebenlage.de beantwortet für jede Region eine einzige Frage: Wurden in den letzten 30 Tagen mehr Erdbeben gemessen, als dort üblich ist? Dahinter steckt keine Einschätzung von Fachleuten, sondern eine Zählung, die jeder nachrechnen kann.

Die Daten

Alle Angaben stammen aus dem Erdbebenkatalog des Europäisch-Mediterranen Seismologischen Zentrums (EMSC), das die Meldungen der nationalen Erdbebendienste zusammenführt. Der Katalog beginnt 1998. Er wird hier alle zehn Minuten abgerufen; ein neues Beben erscheint also erst einige Minuten nach dem Ereignis. Ort, Tiefe und Magnitude der ersten Meldung sind vorläufig und werden von den Diensten oft noch korrigiert, einzelne Meldungen werden wieder gelöscht. Diese Änderungen werden übernommen.

Der Vergleich

Für jede Region ist ein Umkreis und eine Mindestmagnitude festgelegt. Gezählt werden die Beben der letzten 30 Tage in diesem Umkreis ab dieser Magnitude. Dieselbe Zählung wird für jeden 30-Tage-Zeitraum der zehn Jahre davor wiederholt, das sind mehr als 3.600 Zeiträume, jeder um einen Tag versetzt.

  • Üblich ist der Bereich, in dem die mittleren 70 Prozent dieser Zeiträume liegen.
  • Mehr als üblich heißt: Höchstens 15 Prozent der Zeiträume hatten so viele Beben oder mehr, und es waren mindestens zwei.
  • Deutlich mehr als üblich heißt: Höchstens 2 Prozent der Zeiträume hatten so viele oder mehr, und es waren mindestens drei.
  • Weniger als üblich heißt: Höchstens 15 Prozent der Zeiträume hatten so wenige oder weniger.

Verglichen wird mit der Rangfolge und nicht mit dem Durchschnitt. Eine einzige Erdbebenserie wie die bei Santorini Anfang 2025 würde den Durchschnitt über Jahre nach oben ziehen; in der Rangfolge füllt sie nur wenige Prozent der Zeiträume.

Warum eine Mindestmagnitude?

Kleine Beben werden nur erfasst, wenn Messstationen in der Nähe stehen und der zuständige Dienst sie weitermeldet. Beides hat sich in den letzten Jahren vielerorts geändert. Ohne Mindestmagnitude sähe ein dichteres Messnetz aus wie mehr Erdbeben. Die Schwelle ist deshalb für jede Region so gewählt, dass der Katalog darüber in den letzten zehn Jahren gleichmäßig ist. Der Preis: In ruhigen Regionen ist „kein Beben in 30 Tagen“ der übliche Wert, und schon wenige Beben fallen auf.

Was die Methode nicht kann

  • Sie sagt nichts vorher. Erdbeben lassen sich nicht vorhersagen, und aus der Zahl der letzten Wochen folgt nicht, was als Nächstes passiert.
  • Sie ist keine Entwarnung. „So viele Beben wie üblich“ beschreibt die letzten 30 Tage und schließt ein starkes Beben nicht aus.
  • Sie sagt nicht, ob ein Beben zu spüren war oder Schäden angerichtet hat. Das hängt neben der Magnitude von der Tiefe, der Entfernung und dem Untergrund ab.
  • Sie ist nicht schnell. Wer gerade ein Beben gespürt hat, findet die ersten Meldungen beim EMSC.
  • Der Umkreis ist ein Kreis auf der Karte. Er richtet sich nicht nach Bruchzonen, und benachbarte Regionen überschneiden sich.

Umkreis und Mindestmagnitude je Region

RegionUmkreisgezählt ab Magnitude
Kreta200 km3,5
Santorini80 km3,5
Naxos, Paros und Mykonos80 km3,5
Rhodos120 km3,5
Kos80 km3,5
Samos80 km3,5
Korfu100 km3,5
Zakynthos und Kefalonia100 km3,5
Peloponnes130 km3,5
Athen100 km3,5
Chalkidiki und Thessaloniki100 km3,5
Neapel und Campi Flegrei40 km2,5
Sizilien: Catania und Ätna90 km2,5
Liparische Inseln80 km2,5
Kalabrien110 km2,5
Umbrien, Marken und Abruzzen80 km2,5
Rom70 km2,0
Toskana90 km2,5
Rimini und Emilia-Romagna90 km2,5
Gardasee70 km2,0
Südtirol und Trentino70 km2,0
Friaul und Obere Adria70 km2,0
Istanbul120 km3,0
Izmir und Çeşme100 km3,0
Bodrum und Marmaris90 km3,0
Fethiye, Dalaman und Kaş90 km3,0
Antalya und Türkische Riviera130 km3,0
Zypern160 km3,0
Teneriffa70 km3,0
La Palma50 km3,0
Gran Canaria70 km3,0
Andalusien: Málaga und Granada110 km3,0
Costa Blanca und Murcia90 km2,5
Mallorca110 km2,5
Algarve130 km2,5
Lissabon110 km3,0
Azoren260 km3,5
Reykjavík und Reykjanes60 km3,0
Island300 km3,0
Dalmatien: Split und Dubrovnik120 km3,0
Istrien und Kvarner Bucht80 km2,5
Zagreb70 km2,5
Albanien: Durrës und Tirana100 km3,0
Montenegro: Budva und Kotor70 km3,0
Malta120 km3,0
Marrakesch und Agadir160 km3,5
Schwäbische Alb50 km2,0
Oberrhein: Freiburg und Basel60 km2,5
Kölner Bucht und Niederrhein60 km2,0
Vogtland und Westböhmen40 km2,5
Bodensee50 km2,0
Tirol: Innsbruck und Inntal60 km2,0
Wien und Wiener Becken60 km2,0
Wallis50 km2,0

Quelle und Lizenz

Erdbebendaten: EMSC-CSEM SeismicPortal, https://www.seismicportal.eu, lizenziert unter CC BY 4.0. Die Daten werden hier gezählt, gefiltert und in deutscher Sprache beschrieben. Der EMSC weist darauf hin, dass seine Daten unvollständig, verzögert oder fehlerhaft sein können; das gilt auch für alles, was hier daraus berechnet wird.